Pressespiegel

 

 

Salty Mountain Boys nehmen Publikum im LitteraNova mit auf einen musikalischen Abenteuertrip

 

 

Von Maximilian Balzer

 

 

HILDESHEIM. Die Anlässe, zu denen sich Cowboyhüte tragen lassen, sind rar geworden. Karneval, USA-Urlaub, Western-Reiten. Und, na klar, beim Konzert der Salty Mountain Boys. Die vier gestandenen Männer machen das LitteraNova unsicher. Die Kellerbar in der Wallstraße ist an diesem Abend brechend voll. Es ist stickig und heiß. Saloon-Atmosphäre – es fehlt nur noch die Schwingtür.

 

SaltyMountainBoys

 

 

Die Salty Mountain Boys spielen zum Auftakt „I Feel Alright“. Die Country-Nummer von Steve Earle erschien bereits auf „Cowboy Radio“, dem Debüt-Album der Salty Mountain Boys. Man werde das Publikum mitnehmen „auf eine Reise durch die Musik“, verspricht Sänger Armin Balkenholl. Wobei: „Auf einen Abenteuertrip“ träfe es besser. Ein Abend mit den Salty Mountain Boys lässt einen querfeldein durch die Musiklandschaft marschieren. Man kommt vorüber an großen Marksteinen wie Bob Dylan, Lou Reed, Elvis Presley.

Vor allem aber, und das ist das Aufregende, man stolpert immer wieder über unvorhergesehenes. Wie „Shot Down“, eine Jahre zu früh geborene Cowboy-Punk-Nummer, die The Sonics bereits Mitte der 60er Jahre einspielten. Oder „Hard to Handle“, ein Stück von The Black Crows – 80er-Jahre-Bluesrock mit Cowboy-Attitüde, das passt den Salty Mountain Boys wie die Bluejeans dem Rodeo-Reiter. Armin Balkenholl nölt die Songzeilen voller Rockstar-Allüren herunter – mit der Lässigkeit eines Mannes, der seine Sonnenbrille auch im Keller trägt. Und Stephan Quast spielt sein Gitarrensolo gleich im Publikum. Zwischen Rock-Donner und Country-Schmelz changierend, was mit Szenen-Applaus bedacht wird. Worauf Balkenholl noch einmal seine Mundharmonika greinen lässt.Ganz ehrlich, mehr geht nicht.

 

Die Salty Mountain Boys, das merkt man bald, ziehen an diesem Abend alle ihre Waffen. Kaum eine halbe Stunde gespielt, schon werden die ersten Cowboyhüte zum Luftwedeln verwendet. Man könne den Blues eben nicht in klimatisierte Räume bringen, sagt Balkenholl mit den Blues Brothers und grinst. Aber, klar, die Salty Mountain Boys lassen ihr Publikum auch mal durchschnaufen. Während Bob Dylans „Lay Lady Lay“ etwa. Dann legt Balkenholl die Sonnenbrille ab und setzt den Schlafzimmerblick auf. Und Stephan Gehlhaar lässt seine Steel-Guitar so wunderbar schummrig wimmern, das einem die Knie weich werden dabei. Wow. Diese Nummer ist wirklich – eine Nummer.

 

Und damit nicht genug. Man spielt an diesem Abend auch noch die ganz großen Klassiker. Wie „Viva Las Vegas“ oder „Jeans On“, die Schlagzeuger Frank „Pepe“ Peters singt. Vor allem aber: Peters bildet gemeinsam mit Ingo „Kidd“ Meißner am Bass eine starke Rythmusgruppe. Und damit den Rückhalt für eine Band, die seit 2011 die Herzen der Hildesheimer im gestreckten Galopp eingefangen hat. Und das liegt weniger an bestickten Hemden und Westen mit Sheriff-Stern. Die Salty Mountain Boys sind schlicht und ergreifend eine verdammt gute Live-Band. Mit einem breitbeinigen Repertoire, das immer wieder überrascht. Wie ein Schuss aus der Hüfte. Peng.

 

 

Quelle: Hildesheimer-Allgemeine-Zeitung, 09. März 2015lino

 

 

 

 

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