Herzlich willkommen im LitteraNova!

 

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

(Hermann Hesse)

 

unsere Öffnungszeiten (wenn nicht gerade Lockdown ist):

Dienstag, Mittwoch, Freitag

und Samstag ab 18 Uhr

 

 

 

 

Sven Zimmermann und das Anti-Pop-Trio

v o n   W a n j a   N e i t e

HILDESHEIM. Wehleidige Gitarrenklänge erfüllen das Litteranova. Mit halb geschlossenen Augen greift Sven Zimmermann in die Saiten und singt inbrünstig: „Ich lieb dich immer noch.“ Dann schaut er irritiert ins Publikum und einen Zuschauer an: „Was guckst denn du so traurig?“ Irritiertes Hüsteln. Der Mann bleibt ihm die Antwort schuldig.

Wieder spielt der Frontmann des Anti- Pop-Trios ein paar Akkorde, um kurz darauf sein Spiel erneut zu unterbrechen. „Warum lachst du denn?“, fragt er diesmal jemand anderen. Wieder dieses kurze, eklige Schweigen. Dann spielt die Band den Song doch noch zu Ende. Als der letzte Ton verklingt, ruft Percussionist Heiko Reese: „Herrlich, was für ein schönes Lied!“ Höfliches Klatschen.

Im Grunde hält dieses Konzert des aus Kiel angereisten Trios, was die Ankündigung verspricht: ironische Lieder für Männer in der Midlifecrisis. Wobei der klassische Liedermachersound, anders als der Bandname vermuten lässt, durchaus sehr poppig ist und auch Elemente der Schlagermusik enthält. Jens Zimmermann singt mit rauer Stimme über Mittvierziger mit Burnout-Syndrom, das Kursangebot der Kieler Volkshochschule und seine fruchtlosen Versuche, einen Hit zu schreiben. Begleitet wird er vom minimalistischen Schlagzeug Heiko Reeses und Jens Tolksdorf am Saxophon, der auch gern Querflöte spielt. Leider klingt das alles überhaupt nicht gut. Zwar liegt der musikalische Fokus auf dem deutschsprachigen Gesang Zimmermanns, jedoch haben die Texte eher den Charakter einer mittelmäßigen Stand-Up-Comedy-Show.

Die Band lässt sich jedoch vom wenig mitgerissenen Publikum nicht so leicht entmutigen und versucht immer wieder, die Zuschauer durch Mitmachnummern zu motivieren. Auch hier hat das Trio eigene Methoden: Bei dem Song „Ich bin eine Deutschrockband“ wird das Publikum gebeten, die erste Zeile des Refrains durch ein lautes „... weil ihr jeden Trend verpennt!“ zu ergänzen – aber auch nur, wenn man das wirklich findet, so Zimmermann. Als weiterhin alle schweigen, fragt er: „Gefällt euch der Song echt?“ Auch hier bleibt man ihm die Antwort schuldig.

Vor dem sparsamen Publikum fehlt dem Anti-Pop-Trio insgesamt wohl die Souveränität, die eigene Show durchzuziehen. Sven Zimmermann versucht in den Ansagen immer wieder, das eigene Auftreten und die Texte auf die Schippe zu nehmen, den Ansagen fehlen jedoch der rote Faden und wirklicher Witz. Dadurch wirkt der Liedermacher, als wolle er sich für die eigenen Songs schon vorher entschuldigen.

Quelle: Hildesheimer-Allgemeine-Zeitung, 24. März 2014footer