Herzlich willkommen im LitteraNova!

 

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

(Hermann Hesse)

 

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Dienstag, Mittwoch, Freitag

und Samstag ab 18 Uhr

 

 

 

 

Entspannter Abend mit Nachtbarden im LitteraNova

V o n   K a t h i   F l a u

HILDESHEIM. Eigentlich sind sie im Theater am Küchengarten zuhause, wo sie Monat für Monat „Hannovers skurrilste Lesebühne“ neu erfinden. Am Freitagabend aber haben die vier Nachtbarden Kersten Flenter, Johannes Weigel, Ninia LaGrande und Tobias Kunze ihre Texte mit ins LitteraNova gebracht.

Ein zunächst mal schlichtes Konzept: Texte schreiben, Texte lesen, einzeln und gemeinsam. Darüber hinaus gibt es sowohl inhaltlich als auch ästhetisch keinen roten Faden, könnte man sagen. Man könnte aber auch sagen: keine Beschränkung. Jeder erzählt einfach von dem, was ihn gerade bewegt. Seien das Besuche beim Gynäkologen, das Nachdenken über die katholische Kirche oder den eigenen künstlerischen Werdegang. Es sind leichte, unterhaltende Texte, gemacht aus guten, teils scharfen Beobachtungen und den oftmals völlig absurden Schlüssen, die die Figuren der Geschichten daraus ziehen. Amüsant ist es zum Beispiel, den Maler zu begleiten, der in Ermangelung alternativer Berufsideen in Beamtenmanier jeden Tag ein Bild malt, komme was oder wer da wolle. Der sich mit dem Credo „bloß keine Kreativität an diese Deppen verschwenden“ an die Arbeit macht. Der am Ende dieses und jeden Tages auf jeden Fall einen festen Abnehmer (sprich: Dealer) hat. Und dessen Preise bald derartig steigen, dass sich sein eigener Vater die uninspirierte Kunst des Sohnes nicht mehr leisten kann.

Amüsant sind auch die Gäste, die sich die Nachtbarden auf die Hildesheimer Bühne eingeladen haben. Public-Kolumnist Hartmut El Kurdi erzählt in seinem Text „Aktenzeichen XY reloaded“ in gewohnter Lakonie von seinen Erinnerungen an die gleichnamige Fernsehsendung. An den damaligen Moderator Eduard Zimmermann, der „sprach wie ein hastig zusammengelöteter Roboter“ und dauernd zwischen den Studios in Zürich und Wien hin- und her schaltete. Und natürlich an die Verbrecher, die man mit jeder noch so seltsamen Spur verfolgte.

El Kurdi spielt ein Band ein, dass das Lachen von Dietmar Linke widergibt, ein abgehacktes, kindliches Glucksen, das das Publikum im LitteraNova seinerseits minutenlang zum Lachen bringt. „Wenn Sie das also heute Abend noch irgendwo hören sollten: 110.“ Man weiß ja nie.

Zu hören ist aber erst mal das Akustik- Punk-Duo 11is, das mit Gitarre und wirklich skurrilen Texten über Udo Lindenberg oder Rocky Balboa einen schlichten Wohlfühlsound erzeugt und sich immer anhört, als säßen die beiden Jungs, Uli und Fritz, gerade im eigenen Wohnzimmer, auf dem Boden, versteht sich. Wie lange sie schon zusammen Musik machen, wissen sie selbst nicht so genau. „Vier oder fünf Jahre. Oder so.“

Ist ja auch nicht so wichtig. Wichtig ist das Zusammenspiel an diesem Abend, die gelungene und ganz entspannte Mischung aus Stimmen, Texten, Witzen und Musik, die das Publikum wunderbar unterhält. Die Nachtbarden sind gute Erzähler, gute Entertainer, die sich glücklicherweise nie zu viel vornehmen mit ihrem Programm – aber auch nicht weniger, zum Glück.

Quelle: Hildesheimer-Allgemeine-Zeitung, 17. März 2014footer